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Anfrage der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn!" e.V.

an den Rat der Stadt

2.Juni 1997

Wo sind die Gutachten zum aktuellen Zustand des Gerüstes der Schwebebahn?

Das Gerüst ist intakt!

Die Gutachten aus den 70er Jahren bleiben unwiderlegt!

Je aufgeregter und propagandistischer die Kommentare der WZ über abstürzende Schwebebahnen werden, je länger die Stadtwerke auf die Nachfrage nach den Gutachten schweigen, desto mehr drängt sich der Verdacht auf, daß es gar keine Gutachten zum gegenwärtigen Zustand des Gerüstes gibt. Ohne diese Gutachten zum Korrosionsschutz, zur Statik und zum Stahl, ohne die alternativen Kosten einer Generalsanierung des Gerüstes und der Bahnhöfe, kann kein verantwortungsbewußtes Ratsmitglied der heutigen Vorlage zustimmen.

Wir fassen die Fakten nochmals für die heutige Ratssitzung zusammen: 1969 Belastungsprogramm an einer vollständigen unzerlegten 30m langen Schwebebahn-Brücke (Leitung Prof. Dr. Ing. Pelikan); Mitte der 70er Jahre Anschaffung der neuen Fahrzeuggeneration (205 statt 130 Fahrgäste). Aufgrund der schneller beschleunigenden und bremsenden dazu noch schweren Fahrzeuge stellte sich die Frage ob das historische Gerüst diesen Belastungen gewachsen sei. Deshalb wurde die Statik nochmals unter den neuen Bedingungen durch Prof. Dr. Reinitzhuber geprüft.

1976 erklärt der WSW-Vorstandsvorsitzende Harald Graf das Ergebnis: "daß das Schwebebahn-Gerüst ohne weiteres weitere 75 Jahre halten kann, unter der Voraussetzung sebstverständlich, daß es laufend einwandfrei konserviert, d.h. vor allem regelmäßig gestrichen wird."

Aufgrund dieser Langzeitprognose bis zum Jahre 2050 wurde das Gerüst in den Jahren 1979 bis 1984 statisch verstärkt durch Einbau neuer Brückenköpfe (Kosten 37 Millionen DM). Gleichzeitig wurden sämtliche historischen Stationen und die Wagenhalle (1989) aufwendig renoviert.

1991 waren die Stadtwerke noch ganz darauf eingestellt, daß Gerüst mit einem neuen Korrosionsschutz zu versehen. Alle diese Fakten finden sich in dem Buch der Wuppertaler Stadtwerke AG "Die Wuppertaler Schwebebahn" von 1991. Es heißt in diesem Buch zusammenfassend: "Neun Jahrzehnte unverzichtbarer Teil und Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrssystems in der Stadt, zum technischen Denkmal erklärt, aber nicht aus nostalgischen Gründen, sondern unter Anpassung neuer Technologien und ständiger Pflege leistungsfähig erhalten, wird die Schwebebahn weitere Jahrzehnte ihren Dienst tun. ...Wieviel Überlegung und auch Geld die Erhaltung und Ertüchtigung des Gerüstes erfordern werden schildert Günther Beyen in seinem Beitrag. Das 30 Jahre alte Signalsystem muß in absehbarer Zeit durch ein modernes, rechengestützes Sicherungs- und Betriebsführungssystem abgelöst werden. Dabei sollen mögliche Kapazitätsreserven aktiviert ...werden." (S.48) Von einer Ablösung des Gerüstes durch ein neues war vor 6 Jahren noch nicht die Rede. Trotz der Ermahnung durch Harald Graf haben die Stadtwerke den Korrosionsschutz am Gerüst bewußt verrotten lassen, wie im Strecken-Abschnitt zwischen Döppersberg - Robert-Daum-Platz besichtigt werden kann.

Bis heute weigern sich die Stadtwerke die angeblich vorhandenen Gutachten für einen unausweichlichen Neubau der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Parole von der Museumsbahn bleibt bis heute leere Propaganda. Sollte der Rat dem Neubau zustimmen und Rekonstruktionen beschließen wird ein intaktes Verkehrssystem sinnlos zerstört. Das ist Veruntreuung von Steuermitteln. Das neue Gesamtsystem Schwebebahn wird über eine Milliarde kosten wie einem Versicherungsgutachten der WSW zu entnehmen ist. .

Alle ursprünglichen Argumente für den Abriß der Bahn wurden von uns in den vergangenen Monaten Punkt für Punkt widerlegt. Modernster Korrosionsschutz sichert die alten Nietengerüste heute auch an schwer zugänglichen Spalten. Aus Paris erhielten wir das stolze Bekenntnis zum Eiffelturm: Der Turm ist ewig!!. Wir sagen: Die Schwebebahn kann unter der Voraussetzung der heutigen Belastungen - die vermutlich in den kommenden Jahren weiter zurückgehen werden - genauso lange halten wie der Eiffel-Turm.

Ein Stadtrat, der heute ohne geprüfte Gutachten dem Abriß unserer historischen Schwebebahn zustimmt, handelt unverantwortlich! Eine solche Entscheidung wäre der größte kommunalpolitische Skandal der Bundesrepublik. Ein Skandal, der noch dazu aufgedeckt wurde, noch bevor er sich ereignet hat. Wir warnen den Rat der Stadt in dieser wichtigen Entscheidung sich an "Kompromisse" im Vorfeld der Debatte gebunden zu fühlen. Es wäre absurd, über das Schwebebahnprojekt zu debattieren, wenn doch schon alles am 36.5.97 diskussionslos beschlossen wurde.

Geben sie sich keinen Illusionen hin: Die Fakten, die der Rat von uns erhalten hat, werden bald allen Bürgern der Stadt zugänglich gemacht. Unsere Öffentlichkeitsarbeit wird noch im Sommer beginnen. Noch mögen die unverantwortlichen und von Unkenntnis strotzenden Kommentare und die selektive Auswahl von Leserbriefen in der WZ eine nicht informierte Öffentlichkeit hinters Licht führen. Noch glauben die Bürger die Bahn sei nun denkmalgeschützt. Spätestens wenn sie in Trümmer sinkt, würde der letzte Bürger über die finanzielle, verkehrspolitische, technische Sinnlosigkeit der Schwebebahnzerstörung im Bilde sein. Die politischen Entscheidungsträger aller Parteien wurden im Vorfeld der Beschlüsse umfassend informiert. Jetzt beginnt die Mobilisierung der Öffentlichkeit durch wahrheitsgemäße Darlegung der Fakten.

Stimmen Sie deshalb heute nicht ab, ohne eine kritische Prüfung der Gutachten.

 

Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V.