logo3.gif (24002 Byte) BURKHARD STIEGLITZ

Vorsitzender der Bürgerinitiative

"Rettet die Schwebebahn! e.V.

Krautsberg 5

42275 Wuppertal

Tel. 0202- 550998 Fax 558494

Wuppertal, den

21. Mai 1997

 

Presseerklärung der Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. zur geplanten Unterschutzstellung der Schwebebahn

Ist dieser Stadtrat noch bei Trost?

Denkmalschutz für Schwebebahn

Jetzt wird sie abgerissen!

Am 26. Mai 1997 beabsichtigt der Rat der Stadt Wuppertal "die Gesamtanlage Schwebebahn gem. §3 Denkmalschutzgesetz NW in die Denkmalliste der Stadt Wuppertal einzutragen." (Beschlußvorschlag zur Ratssitzung) Zugleich will er grünes Licht geben für den vollständigen Abriß und Neubau der historischen Bahn. Die in der Beschlußvorlage zur Ratssitzung am 26. Mai 97 vorgesehene vollständige "Demontage und Erneuerung der Tragkonstruktion einschließlich der Sonderbauwerke" würde die sinnlose Zerstörung des Wahrzeichens unserer Stadt einleiten. Die Verabschiedung und Umsetzung dieses Beschlusses wäre nicht nur der größte Denkmalschutzskandal Deutschlands sondern zugleich der größte kommunalpolitische Skandal in der Geschichte dieser Stadt.

Wir protestieren gegen diesen Beschluß. Die Unterschutzstellung der historischen Schwebebahn und die gleichzeitige Genehmigung ihres vollständigen Abrisses und Neubaus ist eine Farce und eine Irreführung der Bürger und der gesamten Weltöffentlichkeit. Bis heute wird der Bevölkerung ein Einblick in angeblich vorhandene Gutachten zum Zustand des Traggerüstes der Wuppertaler Schwebebahn von seiten der Behörden verweigert. Wir fordern die Verantwortlichen auf, endlich die Gutachten zum angeblich so maroden Gerüst der Öffentlichkeit vorzulegen. Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, wurde vor Pfingsten der Petitionsausschuß des Landtages zur Anforderung und zur Veröffentlichung der Gutachten aufgerufen.

Die Bürgerinitiative geht deshalb nach wie vor von aus, daß die Gutachten der Wuppertaler Stadtwerke aus den 70er Jahren auch heute noch hoch aktuell sind. Das Ergebnis der damaligen Untersuchungen lautete: Das Gerüst kann ohne weiteres bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts dem laufenden Verkehr standhalten - unter der Voraussetzung eines regelmäßigen Korrosionsschutzes. Daraufhin wurden von den Stadtwerken in den 80er Jahren sämtlich Bahnhöfe renoviert (zuletzt die Wagenhalle in Oberbarmen 1989) und das Gerüst durch Einbau neuer Brückenlager für die neue Fahrzeuggeneration statisch verstärkt. Allein die statische Verstärkung des Gerüstes hat damals an die 40 Millionen DM gekostet. Heute soll das plötzlich nicht mehr gelten. Noch in ihrem Buch "Die Wuppertaler Schwebebahn Geschichte - Technik - Kultur" von 1991 gingen die Wuppertaler Stadtwerke davon aus, daß man die Bahn durch eine Generalsanierung des Gerüstes, (die bei einer Fläche von 400.000 m² ca. 80 - 100 Millionen Mark kosten würde) für das kommende Jahrhundert fit machen werde.

Kein Landeskonservator und keine unabhängige Behörde wird bei einem derartigen Mangel an wissenschaftlichen Gutachten zum Traggerüst der Bahn und beim Fehlen einer öffentlich einzusehenden alternativen Rohkalkulation zum Korrosionsschutz, die Zustimmung zu einem Totalabriß und Neubau begründen können. Das Gutachten der Firma Thyssen-Engeneering, dessen Kurzfassung uns vorliegt, entspricht keinem neutralen Urteil oder gar wissenschaftlichem Standard, da Thyssen an einem Auftrag zum Neubau des Gerüstes interessiert war und Arbeiten zum Neubau der Bahn ausführen soll.

Die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. lehnt es ab, auch nur einen einzigen Bahnhof nachbauen zu lassen, der in der Originalsubstanz erst von wenigen Jahren renoviert wurde. Dies würde die Kosten des ohnehin viel zu teuren Abriß-Neubau-Projekt nur künstlich in die Höhe treiben, zur Freude der am Projekt beteiligten Firmen. Wir fordern auch im Interesse der Steuerzahler des Landes NRW hochwirksamen und modernsten Korrosionsschutz für das jetzige Gerüst, Austausch statisch nicht mehr vollwertiger Stahlträger, Renovierung der Bahnhöfe, dezenten Einbau von behindertengerechten Aufzügen und Einbau einer neuen Signalanlage. Modernes und Geschichtliches sind mit der funktionsfähigen Schwebebahn von heute so vereinbar wie in den vergangenen 96 Jahren. Dabei leiten uns wirtschaftliche und denkmalpflegerische Gründe sowie die Verantwortung, das einzigartige Wahrzeichen unserer Stadt für kommende Generationen zu erhalten. Auf unsere Frage an die Stadt Paris, wie lange der vor 10 Jahren renovierte Eiffelturm noch halten könne, erhielten wir die stolze Antwort: Da der Turm laufend renoviert werden kann, gibt keine zeitliche Grenze:

Der Turm ist ewig!

Dasselbe gilt auch für das Wahrzeichen Wuppertals, das aus der gleichen Zeit stammt. Die heute Schwebebahn wird solange funktionieren, wie es eine selbstbewußte Bürgerschaft will:

Auch die Schwebebahn von 1900 ist (in diesem Sinne) ewig!

Es ist deshalb scheinheilig, zunächst die Bahn wie einen wertlosen Schrotthaufen ohne ideellen Wert für die Stadt und ihre heutigen und künftigen Bürger zu behandeln und ihr dann ein Museum widmen zu wollen.

Die Schwebebahn fällt finanziellen Interessen zum Opfer. Eine überzeugende Begründung aus verkehrspolitischer, finanzieller und technischer Sicht ist bis heute nicht erfolgt.

Der Stadtrat hat die Stadt Wuppertal international der Lächerlichkeit preisgegeben indem er sich unfähig zeigte, rationale Argumente zu erfassen und indem er die teuerste Lösung wählte um die Bahn zu zerstören. Der Rat hat sich als unmündig erwiesen den kardinalen Unterschied zwischen Kopie und Original wahrzunehmen. Er hat sich nicht als Hüter eines großen Schatzes bewährt. Er will die einzige Tradition, die diese Stadt noch hat, die Altstadt Wuppertals leichtfertig opfern, um mehrere hundert Millionen DM an Landesmitteln voll verschwenden zu können. Für 80 Millionen hätte die Bahn einen hochwirksamen mordernen Korrosionsschutz erhalten können, der das Gerüst bis zur nächsten Generalüberholung in 90 Jahren geschützt hätte.

Nach dieser Entscheidung wird in diesem Tal nichts mehr sein wie früher. Verbohrt und gegen Argumente uneinsichtig bleibt der Rat gnadenlos bei seinem Abriß-Neubau-Projekt. Die Bahn fällt nicht verkehrspolitischen Gründen, nicht technischen Gründen sondern der finanziellen Gier nach den Landesmitteln zum Opfer. Der Schwebebahn wurde zum Verhängnis, daß ihre Renovierung zu billig geworden wären im Vergleich zum Neubau. Dabei fehlen der Stadt an allen Ecken und Kanten die Mittel. Der Abriß der Bahn ist demgemäß eine Veruntreuung von Haushaltsmitteln.

Wir werden die städtische und internationale Öffentlichkeit über alle Fakten, die uns - und durch uns dem Rat der Stadt und den Medien in Wuppertal - vorliegen, in den kommenden Wochen und Monaten informieren. Die Bahn steht seit heute unter Denkmalschutz. Jetzt gilt es erst die Bahn auch tatsächlich vor diese

 

Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V.

Wuppertal, den 21.5.1997

 

Anlage:

Appell an den Rat der Stadt vom 3.2.97

Brief an den Oberbürgermeister

Brief und Anfrage an den Rat der Stadt vom 24.3.97

Brief an den Rat der Stadt vom 23. Mai 97