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Presseerklärung

Wuppertal, den 13.10.1998

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Landeskonservator des Rheinlandes Prof. Dr. Udo Mainzer. Die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. fordert seine Entlassung.

Im größten Denkmalschutzskandal der Geschichte der Bundesrepublik hat die Bürgerinitiative "Rettet die Schwebebahn!" e.V. die sofortige Entlassung des Landeskonservators Prof. Dr. Udo Mainzer und seines für Wuppertal zuständigen Gebietsreferenten Dr. Thiel gefordert. "Das Kulturerbe des Rheinlandes ist bedroht, wenn solche ‘Denkmalschützer’ es bewahren!" so der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Burkhard Stieglitz (49). Die Bürgerinitiative reichte deshalb gegen beide "Denkmalschützer" eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Vorsitzenden der Landschaftsversammlung des Rheinlandes Dr. Jürgen Wilhelm ein.

Der Landeskonservator war bereits im April 1997 von der Bürgerinitiative darüber informiert worden, daß

Die Zustimmung des Landeskonservators Prof. Dr. Mainzer und seines Gebietsreferenten Dr. Thiel zum Neubau der Schwebebahn erfolgte in einer geheimen und rechtswidrigen Absprache mit den Stadtwerken und der Stadt Wuppertal am 23. Mai 1997 drei Tage vor der geplanten Unterschutzstellung der Schwebebahn durch den Rat der Stadt. Der Landeskonservator hat durch die rechtswidrige Vorausgenehmigung seine Pflicht als oberster Denkmalschützer des Rheinlandes gegenüber einem einzigartigen Bauwerk sträflich vernachlässigt und sich an einem Betrug gegenüber der Öffentlichkeit beteiligt. Der Landeskonservator hätte wissen müssen, daß es gar keine Gutachten zum Zustand des Schwebebahngerüstes gibt, wodurch die Gutachten der Professoren Dr. Pelikan und Dr. Reinitzhuber aus den 70er Jahren widerlegt worden wären. Er hätte die Gutachten einfordern müssen, weswegen das Gerüst angeblich unrettbar verloren sei. Es gibt diese Gutachten mit diesem Inhalt aber gar nicht. Deshalb kann man sie auch nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Die Öffentlichkeit wurde auch durch den Landeskonservator in Sicherheit gewogen, die Bahn stünde nun unter Denkmalschutz und werde nur renoviert, um für das kommende Jahrtausend fit zu sein. Hinter den Kulissen gab der Landeskonservator entsprechend seiner rechtswidrigen Absprache nach der "Unterschutzstellung" der Schwebebahn durch den Wuppertaler Stadtrat am 2. Juni 1997 in über 20 Fällen für alle Gerüstbauabschnitte rechtswidrige und ungeprüfte pauschale Abrißgenehmigungen. So wurde aus dem öffentlich gefeierten Denkmalschutz eine Farce: In Komplizenschaft mit dem Landeskonservator des Rheinlandes wurde die historische Schwebebahn zum vollständigen Abriß freigegeben, um einem geschichtslosen und als Denkmal völlig wertlosen Neubau Platz zu machen.

Gerade eine Region, die wie das Rheinland schwerste bauliche Verluste durch den II. Weltkrieg hinnehmen mußte, sollte mit den verbliebenen Resten besonders sorgsam umgehen. Die Zustimmung des Landeskonservators wird in den kommenden 5 Jahren ein einzigartiges Bauwerk der Technikgeschichte zerstören, das in Größe und Bedeutung nur mit dem Pariser Eiffel-Turm zu vergleichen ist. Mit der Schwebebahnkonstruktion wird ein Kulturerbe der Menschheit und eine Attraktion Nordrhein-Westfalens Stahlinteressen geopfert. Wuppertal, Deutschlands korrupteste Stadt, zerstört ihr eigenes Wahrzeichen, nur aus Gier nach einer 450-Millionen-DM-Subvention. Nicht nur eine 20.000 Tonnen schwere genietete Stahlkonstruktion, die den Rüstungsinteressen zweier Weltkriege widerstanden hat, wandert in den Hochofen, sondern auch die 16 daran hängenden Jugendstilbahnhöfe (siehe Plakat). Der erste vollkommen intakte Bahnhof, der Ende September 1998 abgerissen wurde, ist der Bahnhof Adler-Brücke.

Die Schwebebahn ist ein Monument aus Nordrhein-Westfalens großer Industriegeschichte. Es wäre die Pflicht des Landeskonservators gewesen, sich für den Eintrag der Schwebebahn in die Liste des UNESCO-Welterbes einzusetzen. Stattdessen genehmigte er die Zerstörung eines Verkehrsmittels, das vor 98 Jahren bei der Weltausstellung in Paris eine Sensation darstellte. 1886, wo noch die Pferdebahnen fuhren und kein einziges Auto konstruiert war, wurde bereits - von damals noch honorigen Stadtvätern - eine elektrische Hochbahn geplant.

Bei den Erörterungsterminen der Planfeststellungsverfahren ließ sich vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege keiner blicken, um den Fragen der Bürger Rede und Antwort zu stehen. Die Schwebebahn blieb ohne jeden Schutz durch die hierzu qualifizierten und beauftragten Beamten. Die Zustimmung zum Abriß der historischen Schwebebahn ist besonders perfide, weil der Denkmalschutz hier einmal die mit Abstand wirtschaftlichste Lösung gewesen wäre. Eine Renovierung der Schwebebahn zu ihrem 100sten Geburtstag hätte höchstens 15 - 20 % dessen gekostet, was nun ein Neubau verschlingen wird. Auch das historische Gerüst hätte eine leisere Tragschiene, behindertengerechte Aufzüge, ein neues Signalsystem und einen neuen Korrosionsschutz erhalten können. Neue Fahrzeuge in Leichtbauweise und schallgedämmte Schienen hätten das Gerüst zudem für die Zukunft einer geringeren Erschütterung ausgesetzt und so für unabsehbare Zeiten gesichert.

Betrügerisch wurde behauptet, es gebe Gutachten, wonach das Gerüst nicht mehr zu erhalten sei. Hinsichtlich dieser Täuschung der Öffentlichkeit bei gleichzeitiger Verweigerung der Gutachteneinsicht machte sich der Landeskonservator zum Komplizen einer Denkmalzerstörung. Prof. Dr. Udo Mainzer und Dr. Thiel sind damit die Hauptverantwortlichen für den Denkmalschutzskandal und deshalb in ihren Ämtern eine Gefahr für das kulturelle Erbe des Rheinlandes geworden.